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39 / Bernardo da Firenze: Questio que scientiarum vel artium nobilitate prefulgeat an medicine vel legis

Peter Michael Schenkel / Christian Kaiser (Hrsg.)

Welche Wissenschaft oder Kunst an Adel hervorragt, die Medizin oder die Jurisprudenz

2015 CXXXII-160 Seiten, broschiert

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46,00 CHF

978-3-7278-1764-9

Am Ausgang des 14. Jahrhunderts verfasst Bernardo di ser Pistorio da Firenze († ca. 1400), Arzt und Medizinprofessor am Studio in Florenz, sein Hauptwerk Questio que scientiarum vel artium nobilitate prefulgeat an medicine an vel legis. In ihr wird nach Meinung des Verfassers erstmals in wissenschaftlich zureichender Weise der bereits damals uralte “Streit der Fakultäten” (in der Forschung auch bekannt als “Disputa delle arti”) entschieden, nämlich die Frage, welcher Wissenschaft oder Kunst der Vorrang zukomme.

Bernardos Beitrag, den er im Rahmen einer Kontroverse mit dem Florentiner Kanzler und Protohumanisten Coluccio Salutati niederschreibt, vergleicht die Medizin mit den Gesetzen: Während die Rechtswissenschaftler, genauer die Legisten, sich unter den Bedingungen säkularer Kontingenz mit den Erzeugnissen politisch abhängiger Gesetzgebung befassen, die notwendig im Bereich menschlicher Willkür verbleibt, widmen sich die Mediziner als ausgewiesene Naturphilosophen höheren Dingen, nämlich der Erforschung der unveränderlichen natürlichen Prinzipien, die unmittelbar von Gott stammen. Unter Hinzuziehung mannigfaltiger Quellen - neben Aristoteles, Galen, Avicenna, Averroes, Isidor von Sevilla, Albertus Magnus, Aegidius Romanus, Robert Grosseteste, Johannes von Legnano, Petrarca, Boccaccio und Dante noch zahlreiche andere griechische, arabische, lateinische und italienische Autoren  - argumentiert die Questio für den Primat der theoretischen Wissenschaften gegenüber der praktischen Philosophie. Aufgrund der umfassenden Fülle ihres Materials, ihrer durchgehend stringenten Argumentationsführung und ihrer nachhaltigen Wirkung (v. a. über Salutatis Replik De nobilitate legum et medicine) ist die Schrift als der medizinisch-naturphilosophische Fundmentaltext im abendländischen Fakultätenstreit anzusehen.

Der vorliegende Band bietet die erstmalige kritische Edition der Questio, die Peter Michael Schenkel unter Verwendung der beiden überliefernden Handschriften besorgt hat. Darüber hinaus werden auch die weiteren tradierten Texte aus der Feder Bernardos präsentiert, die dessen Korrespondenz mit Franco Sacchetti, Coluccio Salutati und Lorenzo Benci entsprungen sind. Die deutsche Übersetzung aller Texte und die durchgehende Kommentierung durch Peter Michael Schenkel sollen dem modernen Leser das Verständnis erleichtern. Der einleitende Aufsatz von Christian Kaiser arbeitet - ebenfalls zum ersten Mal - den biographischen Hintergrund Bernardos da Firenze sowie den ideengeschichtlichen Kontext der Auseinandersetzung mit Coluccio Salutati auf und geht auf die Nachwirkung der Questio ein. Das Vorwort steuert Thomas Ricklin bei, unter dessen Ägide das Editionsprojekt realisiert worden ist.